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Naturgefahrenbulletin des Bundes

Ausgabedatum: Dienstag, 30. Oktober 2018 09:00 Uhr
Nächste Information: Dienstag, 30. Oktober 2018 11:00 Uhr


Ende intensiver Niederschlag auf der Alpensüdseite und den angrenzenden Alpen. Ende stürmischer Wind über den Alpen und im Süden. Hochwassergefahr im Tessin, Wallis und Graubünden 

Die intensiven Niederschläge auf der Alpensüdseite und den angrenzenden Regionen haben in der Nacht auf Dienstag sich deutlich abgeschwächt. Die stürmischen Südwinde in Alpen und auf der Alpensüdseite haben ebenfalls deutlich nachgelassen.  Die Pegel der Maggia, des Ticino, des Lago Maggiore und des Lago di Lugano steigen in die Gefahrenstufe 2. Im Simplongebiet und dem oberen Einzugsgebiet der Rhone muss mit Hochwasser und Murgängen gerechnet werden. 
Prozess Stufe Betroffene Gebiete von bis
Hochwasser 2 Maggia, Ticino 27.10.18, 18 Uhr 31.10.18, 12 Uhr
Hochwasser 2 Lago Maggiore, Lago di Lugano, Tresa 30.10.18, 00 Uhr 05.11.18, 11 Uhr

Wetter  (Stand: 30.10.2018, 09:00 Uhr)

Aktuelle Situation

Die intensive Südstaulage ist in der Nacht auf Dienstag zu Ende gegangen. Seit Anfang des Ereignisses fielen im Centovalli und im Onsernonetal über 400 mm, lokal sogar über 500 mm Niederschlag. Über 300 mm wurden im oberen Maggiatal und im Bedrettotal aufgezeichnet. Auf der übrigen Alpensüdseite, im Oberengadin sowie vom Rheinwald über das Tavetsch und Urserental bis ins Goms und Simplongebiet gingen im selben Zeitraum an den meisten Orten noch über 200 mm nieder. Ferner wurden in den südlichen Walliser Alpen, vom Aletschgebiet über das Haslital bis zum Urner Oberland sowie praktisch im ganzen Kanton Graubünden über 100 mm totalisiert.

Die Schneefallgrenze lag auf der Alpensüdseite zunächst meist über 2000 Meter, am Samstagabend ist sie teilweise auf rund 1600 Meter abgesunken. Nördlich des Alpenhauptkamms ist sie am Samstagvormittag gegen rund 800 Meter, teils auch bis in die Niederungen gesunken. In der Nacht auf Montag ist sie auf rund 1600 Meter gestiegen, um in der Nacht auf Dienstag erneut auf unter 1000 Meter zu sinken. Am Dienstagmorgen lagen vom Tavetsch über das Hinterrheingebiet bis ins Oberengadin oberhalb von 1200 bis 1500 Metern rund 20 bis 30, lokal bis 50 cm Schnee . Im Wallis liegen in mittleren Lagen von 1300 bis 1800 Metern meist weniger als 10 cm Schnee.

In der Nacht auf Dienstag traten auf der Alpensüdseite stürmische Südwinde mit starken Sturmböen auf. So wurden auch in den Niederungen verbreitet Böenspitzen von 80 bis 110 km/h, in Lugano sogar knapp 130 km/h gemessen. Noch stärker war der Südsturm über den Alpen. Auf dem Gütsch ob Andermatt wurden extreme 213 km/h festgestellt, auf dem Piz Martegnas bei Savognin 181 km/h und auf dem Gornergrat 168 km/h. Der stürmische Südwind machte sich teilweise auch als Föhn in den nördlichen Alpentälern bemerkbar, wo beispielsweise in Elm 130 km/h aufgezeichnet werden konnten.

 

Prognose

Das kräftige Tief, welches die intensive Südstaulage ausgelöst hat, ist in der Nacht über die Alpen nach Norden gezogen. Damit drehten die Winde auf West bis Südwest, und die Südstaulage schwächt sich weiter ab. Bis Dienstagabend werden im Tessin und im Misox noch 30 bis 40 mm Niederschlag erwartet. Die Schneefallgrenze liegt dabei bei etwa 1400 Metern. Die genannten Niederschlagsmengen stellen kein warnrelevantes Ereignis mehr dar. In den übrigen Gebieten sind die in den nächsten 12 Stunden zu erwartenden Mengen von bis zu 10 mm nur noch unbedeutend. Allerdings setzen mit der sich auf morgen aufbauenden Föhnlage im Süden erneut kräftige Niederschläge ein, welche im Simplongebiet und im westlichen Tessin kräftige Schneefälle zur Folge haben. Dieses Ereignis wird aller Voraussicht nach mit der Stufe 3 bewarnt.

Die stürmischen Südwinde sind auf der Alpensüdseite am Dienstagmorgen zu Ende gegangen. Auch über dem Alpenkamm haben sich die Südwinde abgeschwächt. Bis am Dienstagabend bleiben sie allerdings stark, und es sind Böenspitzen von 100 bis 130 km/h zu erwarten, was der Warnstufe 2 entspricht. Zudem erreicht auf der Alpennordseite vom westlichen bis zum zentralen Mittelland und insbesondere über dem Jura der Westwind bis Dienstagabend rund 70 bis 90 km/h.

Auf Mittwoch baut sich im Alpenraum eine starke Föhnströmung auf, womit in den Bergen erneut stürmische Südwinde einsetzen und in den nördlichen Alpentälern mit starkem bis stürmischen Föhn gerechnet werden muss. Dieses Ereignis wird heute  voraussichtlich mit der Stufe 3 bewarnt.

 

Fliessgewässer und Seen  (Stand: 30.10.2018, 09:00 Uhr)

Aktuelle Situation

Die anhaltenden Niederschläge haben die Gewässer insbesondere im Tessin ansteigen lassen. Da je nach Region ein beträchtlicher Teil der Niederschläge als Schnee gefallen ist und die Böden am Anfang des Ereignisses sehr trockenen waren und Wasser aufnehmen konnten, blieben die Wasserstände bisher überall unterhalb der Gefahrenstufe 2.

Prognose

Die für die südliche Schweiz, das Simplongebiet, das Einzugsgebiet der oberen Rhone sowie Graubünden vorhergesagten Niederschläge führen am Montag zu erneuten deutlichen Anstiegen der Wasserstände.

An der Maggia und am Ticino werden die Wasserstände im Laufe des Montags die Gefahrenstufe 2 erreichen. An der Maggia ist ein weiterer Anstieg bis in die Gefahrenstufe 3 möglich. Auch kleinere Flüsse im nördlichen Tessin und den Bündner Südtälern werden erneut reagieren und können bis in die Gefahrenstufe 2 ansteigen. Neben Hochwasser können auch Murgänge in Bächen auftreten.

Die Wasserstände des Lago di Lugano und des Lago Maggiore werden infolge der über mehrere Tage anhaltenden Niederschläge und erhöhten Zuflüsse bis zum Wochenende weiter ansteigen. Am Lago Maggiore wird die Gefahrenstufe 2 am Dienstag erreicht, ein weiteres Ansteigen bis in die Gefahrenstufe 3 ist möglich. Am Lago di Lugano wird die Grenze zur Gefahrenstufe 2 Mitte der Woche überschritten.

Auch in Nord- und Mittelbünden werden die Pegel am Montag und Dienstag steigen. In Gebieten über 2000 m liegt regional viel nasser Schnee. Da am Montag die Schneefallgrenze mit 2200 bis 2400 m in diesen Regionen hoch liegt und höhere Temperaturen zu erwarten sind, kann dieser gegebenenfalls schnell schmelzen und zu deutlichen Abflussanstiegen beitragen. Der Umfang der Schneeschmelze ist aktuell schwer abzuschätzen. Kleinere Flüsse können schnell ansteigen und Hochwasser führen.

Im Einzugsgebiet der oberen Rhone werden die Pegel kleinerer Flüsse ab Montagnachmittag deutlich steigen. Hierbei wird die Schneefallgrenze entscheidend für die Höhe der Abflussspitzen sein. Lokal können diese bis in den Bereich der Gefahrenstufe 2 reichen. Da die Niederschläge gewittrig durchsetzt sind, besteht die Gefahr von Murgängen in kleineren Flüssen. In der Rhone werden die Wasserstände unterhalb der Gefahrenstufe 2 bleiben.

Station Gefahrenstufe Maximum Zeitpunkt Maximum
Lago Maggiore - Locarno 2 194.8 - 195.5 m ü. M. 02.11.18, 00:00 Uhr - 00:00 Uhr
Lago di Lugano - Melide 2 270.9 - 271.1 m ü. M. 01.11.18, 00:00 Uhr - 03.11.18, 00:00 Uhr
Maggia-Locarno 2 1000 - 1800 m³/s 29.10.18, 15:00 Uhr - 22:00 Uhr
Ticino-Bellinzona 2 600 - 900 m³/s 29.10.18, 18:00 Uhr - 30.10.18, 04:00 Uhr

Massenbewegungen  (Stand: 30.10.2018, 09:00 Uhr)

Aktuelle Situation

Die gefallenen Niederschlagsmengen haben die Böden in weiten Bereichen des nördlichen Tessin, des südlichen Wallis und der Bündner Südtäler mit Wasser gesättigt.

Prognose

Spontane Hangrutschungen und Steinschläge können durch die prognostizierten Niederschläge im nördlichen Tessin, im südlichen Wallis und in Südbünden ausgelöst werden. Es ist bei intensiven Gewitterniederschlägen mit erhöhter Aktivität zu rechnen.

 

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